Die girocard regiert an der Kasse, stößt aber an Grenzen
Die Deutsche Bundesbank hat für ihr Zahlungsverhalten 2025 mehr als 6.000 Menschen befragt. Ergebnis: Zum ersten Mal wurde mehr als die Hälfte aller Einkäufe bargeldlos bezahlt, nämlich 55 Prozent. Auf Debitkarten, vor allem die girocard, entfallen 26 Prozent aller Transaktionen, auf mobile Verfahren wie Smartphone-Apps 10 Prozent, auf Internetbezahldienste 6 Prozent. Gemessen am Umsatz führt die Debitkarte mit 28 Prozent. Bargeld bleibt trotzdem präsent: 45 Prozent aller Käufe wurden bar beglichen, und 80 Prozent der Befragten halten die Barzahlungsmöglichkeit für unverzichtbar.
Für den Supermarkt um die Ecke ist die girocard in Deutschland also erste Wahl. Nur reicht sie nicht überall hin. Im Ausland funktioniert die reine girocard nicht als Plastikgeld, sie braucht eine Co-Badge-Funktion wie V-Pay. Beim Onlinekauf und bei Buchungen stoßen Nutzer regelmäßig an Grenzen. Und bei Mietwagen verlangen die meisten Anbieter die Kreditkarte des Hauptfahrers, Debitkarten werden oft abgelehnt. Wer beruflich fliegt oder zweimal im Jahr ein Auto mietet, merkt das schnell.
Ein typischer Fall: Ein 29-jähriger Projektmanager aus Hamburg bucht Flüge und Hotels über Portale, pendelt mit dem Zug und mietet im Urlaub regelmäßig ein Auto. Mit der girocard läuft das Bezahlen im Alltag problemlos, bei der Fahrzeugübernahme am Schalter in Spanien wird es eng.
Was am Ende wirklich Geld kostet
Vier Posten entscheiden über die tatsächlichen Kosten einer Karte, nicht der Werbeslogan.
Jahresbeitrag. Die Spanne ist groß. Laut Preisverzeichnis der Deutschen Bank liegen die vier Kartenmodelle zwischen 18 und 94 Euro pro Jahr. Ein Basismodell mit 18 Euro reicht für viele Haushalte aus, Reisekarten kosten ein Mehrfaches.
Auslandseinsatzentgelt. Hier verstecken sich die größten Unterschiede. Beim selben Anbieter reicht die Spanne von 1 Prozent der Umsätze bis 0 Prozent beim Reisemodell, teils mit Mindestbetrag von 1,50 Euro pro Transaktion. Bei 3.000 Euro Auslandsumsatz im Jahr sind das schnell 30 bis 50 Euro.
Währungsumrechnung. Fällt zusätzlich an, wenn in Fremdwährung gezahlt wird, häufig 0,5 Prozent. Prüfen lohnt sich, weil dieser Posten in Vergleichstabellen gern untergeht.
Bargeld und Teilzahlung. Bargeldabhebungen sind der teuerste Weg. Bei einer Reward-Karte mit 0 Euro Jahresgebühr sind es 3,9 Prozent, mindestens 1,50 Euro pro Abhebung, bei einer Möbelhaus-Karte 2,5 Prozent, mindestens 3,99 Euro. Wer die Rechnung in Raten abstottert, zahlt zusätzlich Sollzinsen, die je nach Karte bei rund 15 bis 25 Prozent effektivem Jahreszins liegen.
| Kartentyp | Typische Kosten | Bargeld im Ausland | Teilzahlung | Passt zu | Schwachpunkt |
|---|
| Klassische Kreditkarte, Basismodell | Jahresbeitrag im unteren zweistelligen Bereich, Auslandseinsatz oft 1 bis 1,75 % | möglich, aber meist gebührenpflichtig | ja, mit Sollzinsen | Gelegenheitsnutzer, Onlinekäufer | Zusatzposten bei Fremdwährung |
| Reisemodell | Jahresbeitrag höher, Auslandseinsatz häufig 0 % | meist ohne eigenes Entgelt, Fremdautomaten können kassieren | ja | Vielreisende, Mietwagenkunden | hoher Jahresbeitrag rechnet sich erst ab bestimmten Umsätzen |
| Visa-Debit als Zusatzkarte | oft ohne Jahresbeitrag, Kontoführung entscheidet | abhängig vom Girokonto | nein, direkt vom Konto | Kontrolle, junge Nutzer, Selbstständige | blockt keine Kaution bei manchen Vermietern |
| Prepaid-Kreditkarte | geringe Ausstellungsgebühr, Aufladen kostet teils extra | möglich, oft mit Entgelt | nein | Nutzer ohne Bonität, Jugendliche, Reisekasse | kein Kreditrahmen, weniger Akzeptanz |
Die Tabelle zeigt: Die teuerste Karte ist selten die schlechteste, aber die günstigste passt nicht automatisch zum eigenen Zahlungsprofil. Wer im Jahr 800 Euro im Nicht-EU-Ausland umsetzt, für den ist ein Basismodell mit 1,75 Prozent Auslandseinsatz teurer als ein Reisemodell mit höherem Jahresbeitrag und 0 Prozent.
Welche Karte zu welchem Alltag passt
Drei Haushalte, drei völlig unterschiedliche Rechnungen.
Eine Familie in Leipzig kauft viel online und sammelt bei zwei Händlern Punkte. Die dort angebotenen Karten haben keinen Jahresbeitrag, verlangen aber kräftige Abhebegebühren. Wer im Jahr zwei- oder dreimal Bargeld zieht, merkt das kaum. Wer regelmäßig im Nicht-EU-Ausland abhebt, zahlt drauf.
Ein Selbstständiger in Stuttgart braucht einen höheren Rahmen für Flüge und Hotelvorauszahlungen und will keine Ratenzahlung, sondern die vollständige monatliche Abbuchung. Genau hier liegt der häufigste Fehler: Viele Karten modeln die Teilzahlung als Standard, und wer nicht widerspricht, rutscht in die Zinsfalle. Bei der Beantragung lässt sich die Rückzahlungsart meist festlegen, häufig mit Wahl zwischen Teilzahlung und 100 Prozent per Lastschrift.
Eine Studentin in Berlin mit schmalem, unregelmäßigem Einkommen bekommt oft keine klassische Karte mit Rahmen. Eine Kreditkarte ohne Jahresgebühr in Form einer Debit- oder Prepaidkarte löst das Problem und funktioniert weltweit, braucht aber keine Bonitätsprüfung.
Beantragen: worauf Banken tatsächlich schauen
Voraussetzungen sind ein Mindestalter von 18 Jahren, ein fester Wohnsitz in Deutschland, ein gültiger Personalausweis und ein nachweisbares Einkommen. Entscheidend ist die Bonitätsprüfung über die SCHUFA, in der rund 68 Millionen Menschen in Deutschland erfasst sind. Jeder Kreditkartenantrag wird dort als Merkmal vermerkt, die Anfrage selbst bleibt zwölf Monate gespeichert.
Mehr als zwei oder drei laufende Karten wirken sich ungünstig auf den Score aus, ebenso ein zu hoher gewünschter Rahmen im Verhältnis zum Einkommen. Seit diesem Jahr arbeitet die SCHUFA mit einem vereinfachten Score aus zwölf Kriterien und stellt einen Onlinesimulator bereit, mit dem sich die Wirkung eines Antrags vorab abschätzen lässt. Positiv: Erledigte Forderungen, die innerhalb von 100 Tagen nach Mahnung beglichen wurden, verschwinden heute nach sechs Monaten statt nach drei Jahren.
Wird der Antrag abgelehnt, ist das kein Endpunkt. Jede Bank bewertet eigenständig, ein zweiter Versuch bei einem anderen Anbieter lohnt sich. Häufig hilft auch ein niedrigerer Kreditrahmen, der sich später erhöhen lässt. Die kostenlose Selbstauskunft über die SCHUFA-Website sollte man einmal im Jahr ziehen, um fehlerhafte Einträge früh zu erkennen.
Schritt für Schritt zur Karte, die wirklich passt
- Zahlungsprofil notieren: Wie oft zahlt man in Fremdwährung, wie oft hebt man im Ausland Bargeld ab, braucht man einen Rahmen für Mietwagen und Hotels?
- Preisverzeichnis der vier Posten vergleichen: Jahresbeitrag, Auslandseinsatz, Währungsumrechnung, Bargeldabhebung.
- Kreditrahmen bewusst niedrig starten und nach einigen Monaten einwandfreier Nutzung erhöhen.
- Nach Kartenerhalt die Rückzahlungsart auf vollständige monatliche Abbuchung stellen, falls keine Teilzahlung gewünscht ist.
- Sicherheitsfunktionen aktivieren, etwa Bestätigung im Banking-Verfahren für Onlinezahlungen, und die virtuelle Karte in der App sofort nutzen.
- Ungenutzte Karten kündigen, sie belasten den Score ohne Nutzen.
Vor Ort beraten die Verbraucherzentralen in allen Bundesländern zu Kartenverträgen und Gebühren, viele Städte bieten zudem kostenfreie Termine mit Finanzberatung an. Ein Blick in das Preisverzeichnis der eigenen Hausbank zeigt meist innerhalb von fünf Minuten, ob das dortige Modell zu den eigenen Auslandsausgaben passt. Wer zwei Angebote nebeneinanderlegt und die vier Kostenposten ehrlich addiert, entscheidet meist besser als jede Rankingliste.