Warum die Girocard bleibt und die Kreditkarte trotzdem dazugehört
Die deutsche Zahlungslandschaft ist keine Einbahnstraße. Daten der Bundesbank zeigen, dass Bargeld bei etwa der Hälfte aller Einkäufe über die Theke geht, und das Debitkartenvolumen liegt bei mehreren Milliarden Transaktionen pro Jahr. Die Girocard ist dabei nach wie vor die meistakzeptierte bargeldlose Karte im Land, gerade bei Bäckereien, Kiosken, Wochenmärkten und im Nahverkehr. Wer nur auf eine Kreditkarte setzt, erlebt in kleineren Geschäften regelmäßig ein Schulterzucken.
Umgekehrt stößt die Girocard schnell an ihre Grenzen. Außerhalb der EU funktioniert sie allein nicht, sie braucht die Zusatzfunktion über V-Pay oder Maestro. Mietwagenfirmen verlangen eine Karte mit Kreditrahmen für die Kaution, viele Hotels und Fluggesellschaften ebenfalls. Auch beim Onlinekauf, bei Streaming-Abos und bei Reisen außerhalb Europas ist die Kreditkarte meist die einzige Option, die ohne Umwege akzeptiert wird.
Dazu kommen drei Kostenpunkte, die im Alltag wirklich Geld kosten. Erstens das Auslandseinsatzentgelt, das je nach Modell zwischen 0 und etwa 1,75 Prozent der Umsätze liegt, plus eine separate Umrechnungsgebühr von oft 0,5 Prozent. Zweitens die Bargeldabhebung, die bei manchen Karten 3 bis 5 Euro pro Vorgang kostet, zusätzlich zu den Gebühren des Automatenbetreibers. Drittens die Teilzahlung: Wer den Saldo nicht ausgleicht, sondern in Raten abstottert, zahlt Sollzinsen, die in Beispielrechnungen von Vergleichsportalen um 14 Prozent effektiv pro Jahr liegen.
Vier Kartenmodelle im Vergleich
Die folgende Übersicht fasst zusammen, mit welchen Kosten Sie je Kartenart rechnen müssen. Die Beträge stammen aus aktuellen Anbieter- und Vergleichsportal-Angaben und sind Richtwerte, keine Zusage für Ihr individuelles Angebot.
| Kartenart | Jahresgebühr | Bargeld im Ausland | Fremdwährung | Passt besonders zu | Schwachpunkt |
|---|
| Klassische Kreditkarte einer Filialbank | etwa 18 bis 94 € | je nach Modell 0 bis 5 € pro Abhebung | 0 bis 1,75 % Auslandseinsatz, teils 0,5 % Umrechnung | Angestellte mit Reisen, Mietwagen, Onlinekäufen | Ohne Zusatzpaket wenig Reiseschutz |
| Kreditkarte mit Ratenzahlung (Revolving) | 0 bis rund 80 € | oft 3 bis 4 % des Betrags, mindestens einige Euro | häufig 1,5 bis 1,75 % | größere Anschaffungen, die sich verteilen lassen | Sollzinsen bei Teilzahlung, Gefahr der Dauerlast |
| Prepaid-Kreditkarte ohne Schufa-Prüfung | Beispiel SupremaCard: 79 € | 5 € pro Abhebung | kein Auslandseinsatzentgelt | kontrollierte Ausgaben, dünne Bonität | hohe Aufladegrenze nützt wenig, wenn das Guthaben fehlt |
| Debitkarte auf Visa- oder Mastercard-Basis | 0 € bei vielen Kontomodellen | teils 2,99 € pro Abhebung | außerhalb des EWR teils 3 % | Onlinekäufe, Reisen, Bargeldkontrolle | keine echte Kreditfrist, Kautionen werden sofort reserviert |
Die Jahresgebühr allein sagt wenig aus. Rechnen Sie den tatsächlichen Bedarf durch: zwei Reisen pro Jahr, ein Mietwagen, ein paar Hotelbuchungen und regelmäßige Onlinebestellungen. Erst dann zeigt sich, ob eine Karte mit 0 Euro Jahresgebühr und 3 Prozent Fremdwährungsaufschlag teurer ist als eine Karte für 80 Euro, die im Ausland nichts extra berechnet.
Sarah aus Nürnberg, 24, studiert und jobbt nebenher. Ihre erste Kreditkarte wollte sie ohne Schufa-Prüfung, weil sie noch keinen langen Zahlungsverlauf hat. Sie startete mit einer Prepaid-Lösung, lud monatlich ihr Budget auf und merkte schnell, dass die 5 Euro pro Abhebung im Urlaub zusammenlaufen. Heute nutzt sie eine Debitkarte auf Guthabenbasis für Onlinekäufe und hebt Bargeld mit der Girocard ab. Ihr Fazit: Die Karte muss zum Ausgabeverhalten passen, nicht zur Werbung.
Thomas aus Hamburg, 38, Pendler mit Familie, braucht die Kreditkarte vor allem für Mietwagen in Dänemark und Flüge. Er achtet auf eine Karte mit Reiserücktritts- und Auslandsreise-Krankenversicherung, weil diese Bausteine einzeln gebucht oft mehr kosten als die Jahresgebühr. Für ihn zählt weniger der Zinssatz als die Frage, ob die Kaution am Mietwagenschalter mit seiner Karte wirklich hinterlegt werden kann.
Mehmet aus Köln, 42, ist selbstständig und reist zu Messen. Er trennt Geschäfts- und Privatkarte strikt, damit die Buchhaltung nicht jedes Mal Handarbeit wird. Wichtig sind ihm ein hoher Verfügungsrahmen, keine Fremdwährungsgebühr und eine App, in der Belege sofort erfasst werden. Eine Kreditkarte ohne Schufa-Prüfung kam für ihn nicht infrage, weil er den Rahmen für Flug- und Hotelbuchungen braucht.
Kreditkarte beantragen: die Schritte, die wirklich zählen
Prüfen Sie zuerst Ihre eigene Datenlage. Fordern Sie bei der Auskunftei Ihre gespeicherten Informationen an und kontrollieren Sie Adresse, Konto und bestehende Karten. Fehler lassen sich korrigieren, bevor sie den Antrag bremsen.
Legen Sie danach fest, wofür die Karte gebraucht wird, und zwar mit Zahlen. Notieren Sie die Ausgaben der letzten zwölf Monate für Reisen, Onlinekäufe und Bargeld. Wer selten abhebt, kann auf niedrige Abhebegebühren verzichten und stattdessen auf den Fremdwährungsaufschlag achten. Wer viel abhebt, braucht umgekehrt großzügige Bargeldregeln.
Vergleichen Sie mindestens drei Angebote und lesen Sie die Preis- und Leistungsverzeichnisse, nicht nur die Werbeseite. Achten Sie auf das Zahlungsziel, das bei vielen Karten bis zu sieben Wochen zinsfreien Spielraum bietet, auf die Höhe des Verfügungsrahmens, auf die Regeln für Teilzahlung und auf die Frage, ob Apple Pay und Google Pay unterstützt werden. Wer eine Kreditkarte mit Auslandsschutz braucht, sollte die Versicherungsbedingungen im Detail lesen, besonders Selbstbehalte und Ausschlüsse.
Für die Prüfung vor Ort gibt es in Deutschland ein paar verlässliche Anlaufstellen. Die Verbraucherzentralen in den Bundesländern beraten zu Kartenverträgen und Gebühren, die Stiftung Warentest veröffentlicht regelmäßig Kredittests, und die Bundesbank informiert über Rechte bei Zahlungsdiensten. Wenn die Karte gestohlen wird, erreichen Sie den zentralen Sperr-Notruf unter 116 116 aus dem Inland, viele Banken bieten zusätzlich eine Sperrfunktion in der App.
Und planen Sie den Ausstieg mit. Kündigungsfristen, Rückgabe der Karte, offene Salden und eventuelle Versicherungen, die an die Karte gebunden sind, sollten geklärt sein, bevor Sie wechseln. Sonst zahlen Sie für ein Jahr zwei Jahresgebühren.
Was am Ende wirklich zählt
Ein Kartenmix aus Girocard für den Alltag und einer Kreditkarte für Reisen, Kautionen und Onlinekäufe deckt in Deutschland die meisten Situationen ab. Entscheidend sind nicht Goldstatus oder Meilenprogramm, sondern drei Zahlen: Jahresgebühr, Fremdwährungsaufschlag und Abhebegebühr. Wer diese drei Größen mit seinem eigenen Ausgabeverhalten abgleicht, merkt schnell, welche Karte im Alltag wirklich günstig ist.
Nehmen Sie sich eine halbe Stunde, drucken Sie die Preisverzeichnisse von zwei oder drei Anbietern aus und rechnen Sie mit Ihren eigenen Umsätzen. Danach ist die Entscheidung selten schwer, und der nächste Urlaub beginnt ohne Diskussion am Mietwagenschalter.